
Von Bernd Koldewey
Der Olivenzweig ist ein historisch und kulturell bedeutendes Symbol des Friedens, das in verschiedenen Kulturen und Epochen eine wichtige Rolle spielt. Seine Wurzeln reichen von der griechischen Mythologie über die Bibel bis hin zu modernen Friedenssymbolen wie dem Wappen der Vereinten Nationen.
Ich lebe bereits seit einiger Zeit im malerischen andalusischen Bergdorf Quesada. Das malerische Dorf ist von ausgedehnten Olivenhainen umgeben, weshalb es naheliegt, dass ich mich auch mit dem Friedenssymbol, dem Olivenzweig, befasse. In Anbetracht der aktuellen globalen Umbrüche und der damit einhergehenden Angst der Menschen vor einem Verlust des Friedens und der nicht endenden Kriege in der Welt ist es von entscheidender Bedeutung, dass jeder Einzelne einen persönlichen Beitrag leistet.
Unter einem knorrigen Olivenbaum findet man Ruhe und Frieden.
Der Olivenbaum: ein Baum zwischen Geschichte und Mythos
In der griechischen Mythologie finden wir bereits Hinweise auf die Herkunft des Olivenbaums und des Olivenzweigs. Es gibt eine interessante Geschichte, die sich um die Gründung der griechischen Stadt Athen und die Entstehung des Olivenbaums dreht. Es gibt Überlieferungen, die besagen, dass sowohl die Göttin Athene als auch der Gott Poseidon die Stadt nach sich benennen wollten. Es wird erzählt, dass zwischen Athene und Poseidon ein Wettstreit entstand.
Weiter heißt es, dass diejenigen, die der Stadt das schönere Geschenk machten, bei der Namensgebung den Vorzug erhielten. Poseidon, der Gott des Meeres, veranlasste mittels seines Dreizacks, der auf die Akropolis herabgesandt wurde, die Entstehung einer Quelle, aus der fortan Seewasser hervorsprudelte. Es wird erzählt, dass Athene gegen einen Felsen schlug, woraufhin der erste Olivenbaum wuchs. Nach dem Wettstreit stand Athene als Siegerin fest, und als Zeichen des Sieges wurde ihr ein Olivenzweig überreicht.
Der Olivenbaum spendete den Bewohnern von Athen Nahrung, Olivenöl und Holz, während das Wasser des Poseidons nicht zum Trinken geeignet war. Die Stadt wurde von da an als Athen bezeichnet. In der griechischen Kultur wurde der Olivenzweig als Symbol des Reichtums betrachtet und diente dem Schutz vor bösen Geistern. Er wurde als Attribut der Friedensgöttin Eirene dargestellt, die auf römischen Münzen mit einem Olivenzweig abgebildet war. Nach allem, was wir wissen, gehörte ein Kranz aus Olivenzweigen im antiken Griechenland und Rom zu den höchsten Auszeichnungen. Der Sieger bei den olympischen Spielen in Griechenland (ab ca. 700 v. Chr.) wurde ebenfalls mit einem Kranz aus Ölbaumblättern geehrt, was großen Ruhm bedeutete. Darüber hinaus deutet einiges darauf hin, dass das Wachstum des Olivenbaums mit einer langen und friedlichen Periode in Verbindung steht.
Olivenbaum in der Bibel
In der biblischen Symbolik steht der Olivenzweig für Hoffnung und Frieden. Nach der Überlieferung im Buch Genesis schickte Noah nach der Sintflut eine Taube los, um nach Land zu suchen, das für die Menschen und alle Geschöpfe einen Neubeginn und Hoffnung für ein friedvolles Miteinander bedeutet. Die Taube kehrte mit einem Olivenzweig im Schnabel zurück, nachdem sie trockenes Land gesichtet hatte. Auch die Tradition des Palmsonntags, bei der Olivenzweige als Friedenszeichen geweiht und ausgetauscht werden, ist in diesem Zusammenhang von großer Bedeutung. Der symbolträchtige Olivenzweig ist im Christentum und auch im Judentum ein Zeichen, das für Frieden steht. In der modernen Zeit sowie in der Literatur findet der Olivenzweig seit dem 17. Jahrhundert als Friedenssymbol Verwendung. Er ist auch im Wappen der Vereinten Nationen zu sehen. Unter den vielen Darstellungen von Friedenssymbolen in Geschichtsbüchern erscheint der Ölzweig besonders häufig. Es ist erstaunlich, wie viele Mythen sich um ihn ranken! In der griechischen Mythologie, der Bibel sowie in Gedichten und Büchern findest man zahlreiche spannende Geschichten über ihn.
Blick auf das malerische Bergdorf Quesada mit seinen weitläufigen Olivenplantagen.
Das Öl des Olivenbaums spielt in der christlichen Kultur eine entscheidende Rolle. Bei den Sakramenten Taufe, Firmung, Letzte Ölung sowie bei der Pfarrer- und Bischofsweihe wird noch heute Öl eingesetzt – so wie es bei der christlichen Religion seit jeher üblich ist. Eine brennende Öllampe auf einem Altar zeigt außerdem die Gegenwart des Herrn an.
Auch im Neuen Testament kommt dem Olivenbaum eine bedeutende Rolle zu. Selbst Jesus zeigte sich von der Faszination, die von diesem Baum ausgeht, angetan. Kurz vor seiner Verhaftung hielt Jesus im Garten Gethsemane unter Olivenbäumen Fürsprache mit seinem Vater und Herrn. Diese Erfahrung hat ihm offenbar die Kraft verliehen, seiner Hinrichtung unerschrocken entgegenzutreten. Die Bezeichnung "Christus" dokumentiert bereits die besondere Beziehung zum Ölbaum, da sie "der von Gott mit Öl gesalbte" bedeutet. Es ist nicht von ungefähr, dass der Ölberg als bevorzugter Ort von Jesus zum Beten diente.
In der Bibel, im Vers 5. Mose 24,20 aus dem Alten Testament, heißt es: "Wenn du deinen Ölbaum abgeklopft hast, sollst du nicht auch noch die Zweige absuchen." Was noch hängt, soll den Fremden, Waisen und Witwen gehören." Heute wird es nicht nur als agrarische Vorschrift verstanden, sondern auch als ethisches Prinzip, das nach wie vor große Bedeutung hat. Der Vers könnte als eine freundliche Aufforderung interpretiert werden, unsere Ressourcen mit denen zu teilen, die weniger haben. In der heutigen Zeit könnte man es vielleicht so ausdrücken: Wer über ein gewisses Maß an materiellen oder finanziellen Mitteln verfügt, könnte erwägen, einen Teil davon an jene zu spenden, die weniger privilegiert sind, oder durch die Zahlung fairer Löhne oder die Unterstützung sozialer Programme.
Olivenzweig für Hoffnung und Frieden
Für ein paar Stunden verbringe ich oberhalb von Quesada einen Tag der Muße. Ein idyllischer Ausflug zu den weitläufigen und wunderschönen Olivenplantagen in der Nähe von Quesada. Unter einem knorrigen Olivenbaum konnte ich wunderbar entspannen und meine Seele baumeln lassen. Meine Gedanken schweifen über die fruchtbaren Felder der Olivenhaine. Die wunderschöne Landschaft zeigt sich hier in voller Pracht. Vor mir erstreckt sich ein Meer aus grünen Olivenbäumen. Ich bin ganz bei mir und denke an die vielen mystischen Geschichten, die sich um den Olivenbaum ranken – es ist einfach faszinierend! Ich träume vor mich hin und bin ganz in Gedanken versunken. Durch die Plantagen hindurch sehe ich in der Ferne Quesada. Ich nehme mir Zeit und genieße die Stille. Nur das zarte Rauschen des Windes, der durch das Blattwerk der Olivenbäume weht, und das Zwitschern der Vögel sind zu hören. Es sind Stunden der inneren Einkehr inmitten der wunderbaren Natur.
Hoffnung und Frieden – zwei wunderbare Dinge, die unser Leben bereichern! Hier, inmitten der faszinierenden Olivenplantage, finde ich die Stille und den Frieden, nach denen ich mich sehne. In diesem Moment bin ich voller Hoffnung, dass alle Menschen, die Leid ertragen müssen, ebenso wie ich, eines Tages in Freiheit und in einer friedlichen Welt leben können. Ich denke voller Mitgefühl an all die tapferen Menschen, die durch Kriege und Hunger leiden müssen.
Der Olivenzweig ist mehr als ein dekoratives Emblem – er ist ein kultureller Code für Frieden, der über Jahrtausende hinweg Bedeutung getragen hat. Heute erinnert er uns daran, dass Frieden nicht nur ein politisches Ziel ist, sondern eine persönliche Haltung, ein spirituelles Streben und ein gesellschaftlicher Auftrag.
Der Olivenbaum mit seinen fruchtbaren Zweigen ist ein Symbol für Frieden. Sie stehen für eine friedliche Welt, in der wir alle leben könnten. Leider sieht es in der heutigen Welt nicht so aus. Diejenigen, die die Welt gestalten wollen, haben nicht das Verständnis, für eine friedliche Welt. Der Krieg in der Ukraine, der vom russischen Staatschef Wladimir Putin inszeniert wurde, hält leider immer noch an und ein Ende ist nicht in Sicht. Auch im Gazastreifen, in Israel, ist der Krieg allgegenwärtig. Hunderttausende Palästinenser haben ihre Heimat verloren und leiden Hunger. Die Beispiele sind eindeutig: Weltweit gibt es große Veränderungen, die eindeutig gegen ein friedliches Miteinander sprechen.
Es ist mein aufrichtiger Wunsch, dass die kriegerischen Auseinandersetzungen, wie beispielsweise der in der Ukraine und Israel, sowie der Hunger in der Welt zeitnah ein Ende finden sollten. Ich bin zutiefst dankbar dafür, in einem so friedlichen Ort wie Quesada leben zu dürfen. Ich denke an all die Menschen, die durch Kriege und Hunger leiden. Ich möchte Ihnen für Ihre Zukunft Frieden und Freude wünschen.

Der Olivenbaum, ein majestätischer Baum, dessen Stamm von beeindruckender Stärke und dessen Wurzeln von beeindruckender Tiefe sind, wird in diesem Lied besungen. Deine Zweige, die voller Blätter sind, strahlen in sattem Grün. Du verbreitest Hoffnung und Frieden. Die Menschen erfreuen sich daran, dass deine Früchte ihre Nahrung sind, und du sorgst für ihre Arbeit und ihren Lohn."
Bernardo de Alemania

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