Zeiten der Unschuld

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Zeiten der Unschuld

Gedanken eines Pilgers

„Zeiten der Unschuld“

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Oft blickte ich zurück und träumte von meiner eigenen Kindheit und von der Unschuld in mir. Aufgewachsen bin ich mitten im Ruhrgebiet. Wie für die meisten Kinder, war für mich die Welt der Erwachsenen eine völlig fremde. Dennoch war es für mich die schönste Zeit meines Lebens, die mich bis heute geprägt hatte.

 

Wie kommt das, dass ich gerade jetzt meine kleine Kindheitsgeschichte schreibe und erzähle? Wir erleben in ganz Europa eine Zeit des Umbruchs, die die Welt und die Menschen ändern wird. Nichts ist mehr wie es war, wir müssen uns alle der neuen Zeit stellen und sich ihr anpassen. Doch was hinterlassen wir den Kindern? In zwei weit verbreiteten Zitate heißt es, den Kindern gehört die Zukunft oder auch, den Kindern gehört das Himmelreich. Ist es auch so? Werden wir unseren Kindern eine gute Zukunft bescheren? Ich hoffe es sehr.

 

 

Meine Kindheit begann in der Nachkriegszeit, den späten 1950er und 1960er Jahren, 12 Jahre nach dem 2. Weltkrieg. Es begann die Zeit des Wirtschaftswunders und Deutschland und das Ruhrgebiet blühten wieder auf. Auch als Kind profitierte ich von dieser Zeit des Umbruchs. Deutschland baute sich neu auf und der wieder gewonnene Frieden und die Freiheit ließen auch uns Kinder viel Spielraum. Nicht nur, dass die damaligen Winter im Ruhrgebiet viel Schnee brachten oder wir Kinder draußen bei jedem Wetter „Räuber und Gendarm“ spielten und andere abenteuerliche Interessen verfolgten, auch ernsthafte Eindrücke sind mir bis heute aus meiner Kindheit in Erinnerung geblieben.

 

Schon damals konnte ich mich mit meinem Innersten auseinandersetzen, was nicht immer einfach war. Oft hatte ich keine Antwort parat und musste alles über mich ergehen lassen. Die Scham hinderte mich daran, mich mit meinen Eltern, den Erwachsenen, auszutauschen. So handelte ich nicht üblich und setzte mich mit meiner Gedankenwelt selbst auseinander. Ich zog mich dabei immer mehr zurück und schwieg darüber, ohne preiszugeben, was mich bedrückte. Ich beobachtete andere Kinder, die anders handelten als ich, viele konsultierten für jede Kleinigkeit ihre Eltern und suchten Trost bei ihnen. Oft gab es für sie eine kleine Abfuhr oder aber sie wurden beruhigt, ist ja gar nicht so schlimm mein Kind.

 

Meine damalige kleine Welt war ein bisschen wie die von Wilhelm Buschs Bubengeschichte „Max und Moritz“, die in sieben Streichen die Welt der Erwachsenen in Atem hielten. Oder die des „Peter Pan“, ein Kind, das in Nimmerland lebte und niemals erwachsen wurde. Aber auch die fiktive Welt „Alice im Wunderland“ fand ich als Kind sehr interessant.

 

 

Meine Schulzeit als Lausbub und Träumer

 

Mein abenteuerlicher Schulweg, der mich damals an den weiten Feldern in Bochum-Hiltrop und durch einige schöne Bergbausiedlungen mit tollen Hinterhöfen bis nach Bochum-Bergen führte, ließ mir genügend Zeit zum träumen. Im Laufe meiner Kindheit kannte ich jeden Taubenschlag, Hühner- und Kaninchenstall und jeden streunenden Hund, den ich auf meinem Schulweg sah und dem ich begegnete. Oft blieb ich stehen und betrachtete die Tiere, manche von ihnen bekamen von mir einen Namen. Wie z.B. Hans, ein alter, kräftiger Hahn, wenn er sich aufblähte und krähte, hallte es durch die ganze Siedlung. Dann war da noch Paul, ein kleiner brauner Dackel, er begleitete mich manchmal auf meinem Weg zur Schule, auch er kannte sich hier gut aus. Des Öfteren war ich so von den Tieren fasziniert und mit ihnen beschäftigt, dass ich zu spät zur Schule kam, die erste Unterrichtsstunde hatte schon angefangen. Ich klopfte vorsichtig und leise an die Tür und betrat das Klassenzimmer. Die Lehrerin betrachtete mich tadelnd und mit ernster Miene, ihren Blick richtete sie nur auf mich und lautstark rief sie durch das Klassenzimmer: „Immer der kleine Bernardus, schon wieder kommt er zu spät, der lernt es wohl nie, pünktlich zu sein!“ Meine Klassenkameraden schmunzelten leise vor sich hin und hatten ihren Spaß.

 

 

Es war eine gemischte Klasse, Mädchen und Jungs saßen auch schon mal nebeneinander, wie es auch bei mir der Fall war. Links und rechts von mir saßen zwei hübsche Mädels, Heidi und Melitta. Die beiden kannten mich recht gut, sie wohnten genau wie ich in Hiltrop sowie in derselben Straße, beide wussten, dass es neben mir nie langweilig war. Vom Frühjahr bis zum Herbst trug ich meistens unverwüstliche und speckige Lederhosen oder Knickerbockers, die auch große Taschen besaßen. Das Leder war immer stark abgenutzt und weich wie Wildleder geworden. Die Taschen der Hosen waren immer proppevoll, alles was ich auf meinen Schulweg fand und sammelte und das irgendwie für mich nützlich war, packte ich in den Hosentaschen ein. Meistens waren es kleine Steine, es konnte aber auch schon mal ein dicker Käfer, ein Salamander, eine kleine Spitzmaus oder ein dicker glitschiger Regenwurm sein. Nicht unbedingt zur Freude der Lehrer und der zierlichen Mädchen in meiner Klasse. Versehentlich entwich mir auch mal in der Klasse eine dieser fantastischen Kreaturen. Das Entsetzen und das Geschrei über die putzigen Tierchen waren danach sehr groß. Die Folge des ungewollten Ereignisses war: Ich musste mich in eine Ecke des Klassenzimmers stellen, gleich neben dem Lehrerpult und neben der Tafel. Oder je nach Schwere meines Vergehens bekam ich als Strafe Nachsitzen auferlegt und musste einige Seiten aus dem Lesebuch abschreiben. Meistens geschah das in der Handarbeitsstunde der Mädchen, die ich wiederum von ihrem konzentrierten Unterricht abhielt.

 

Die Lausbuberei stand mir wohl ins Gesicht geschrieben. Damals war ich ein kleinwüchsiger, kurzhaariger blonder Typ, mit frechen blauen Augen und vielen Sommersprossen im Gesicht. Ich machte meinem Namen als frecher „Lausbub“ alle Ehre. Immer ein Lächeln parat, meine Augen leuchteten und strahlten dabei förmlich, zum Ärgernis der Lehrer, die meine kleinen Streiche als lästig und boshaft ansahen. Irgendwie spürte ich das und ließ mir nichts anmerken, so meinte ich. Doch die Lehrer versuchten mich zu erziehen, was für sie nicht immer einfach war. So hatten sie einmal die grandiose Idee, mir den Schulranzen zu entziehen, damit ich nicht beim Nachsitzen frühzeitig den Klassenraum verlasse. Doch auch hier ging ihre Rechnung nicht immer auf. Im Unterricht bekam ich meinen Ranzen zurück, packte das Lesebuch aus, schrieb einige Zeilen ins Schulheft, wartete den richtigen Zeitpunkt ab, packte alles blitzschnell wieder ein und verschwand auf leisen Sohlen mit meinem Ranzen.

 

 

Lieblingsfächer Religion, Erdkunde, Naturkunde und Geschichte

 

Aber es gab auch andere Zeiten in der Schule, die ich mit einer gewissen Aufmerksamkeit und als fleißiger Mitschüler verfolgte. Die Fächer Religion, Erdkunde, Naturkunde und Geschichte waren meine Lieblingsfächer, hier fand ich großes Interesse. Das Lernen über nahe und ferne Länder und fremde Kulturen, ihre Geschichte und deren Natur, faszinierten mich sehr. Hier konnte ich meine Gedanken frei entfalten und ich tauchte ab in eine fremde Welt. Für mich schon damals sehr aufregend und spannend. Mag wohl daran liegen, dass ich als kleiner Junge viel Fantasie hatte. Ritter, Abenteurer und Seefahrer, bekamen meine volle Aufmerksamkeit. Besonders der Religionsunterricht hatte es mir angetan. Hier wurden wir Kinder vom katholischen Pfarrer, unserem lieben Pastor, persönlich unterrichtet. Er war ein kräftiger und wohlgenährter Kirchenmann, ganz so, wie man sich einen Pastor vorstellt. Von der Statur her hatte er Ähnlichkeit mit meinem Großvater mütterlicher Seite, auch die knollige, leicht gerötete Nase besaß er, deshalb mochte ich ihn so und schenkte ihm meine volle Aufmerksamkeit. Mit schwarzer Soutane, Römerkragen und Umhängekreuz bekleidet, begann er den Religionsunterricht. Oft erzählte er uns Geschichten aus der Bibel, über Jesus und Maria und alle waren mucksmäuschen still.

 

Es war eine schöne Zeit, trotz vieler Streiche, die man als junger Knabe ausgelebt hatte, ist doch aus der Schulzeit einiges hängen geblieben. Mich hatte diese Schulzeit sehr geprägt, viele Kameradschaften und Freundschaften waren das Resultat.

 

 

Kinderlandverschickung - Kindererholung

 

Wer kennt das noch, dass man in den 60er Jahren zur Kindererholung fuhr, um sich aufpäppeln zu lassen? Ein wenig mager sah ich als Knabe schon aus, so erhoffte man sich, mich in den Heimen wieder zu Kräften zu führen. Im Alter von 7, 8 und 9 ging es für mich jeweils für 6 Wochen in den Schulferien nach Bad Rothenfelde (Teutoburger Wald) und nach Heimenkirch im Allgäu. Im städtischen Ferienheim Bad Rothenfelde, das ich 1964 und 1965 besuchte, war von strenger Disziplin geprägt. Hier gab es Schwestern und Nonnen, die darauf achteten, dass man alles genau befolgte, Ungehorsam wurde rigoros getadelt. Hier lernte ich die strengen Tischregeln, gerade sitzen und richtig zu speisen. Weggeschmissen wurde nichts, man musste alles brav aufessen, auch wenn man es nicht mochte. Trotz Strenge und erzieherischer Maßnahmen war es für mich auch eine schöne Zeit. Anfänglich fiel mir zwar der Abschied von meinen Eltern recht schwer, denn es war das erste Mal, dass ich von ihnen getrennt wurde. Ich kann mich noch erinnern, dass man mich aus dem Reisebus herausholen musste, da ich in Tränen ausbrach und wie am Spieß schrie. Die ganze Reise nach Bad Rothenfelde fuhr ich vom Bochumer Rathaus aus mit einem PKW, dort wurde ich getröstet und man beschäftigte sich mit mir. Die Zeiten meiner Erholung in Bad Rothenfelde waren sehr vielseitig, Erlebnisse, die man nicht vergisst. Bekannt ist Bad Rothenfelde nicht nur durch die Nähe des Teutoburger Walds, sondern auch als staatliches Heilbad (seit 1965) und durch die längste Gradierwerksanlage Westeuropas (Salzproduktionsstätte), auch Salinen genannt, die sich im großen Kurpark befinden. Das Salz lag förmlich in der Luft und man schmeckte es auf seinen Lippen. Prägend für meinen Kinderkuraufenthalt waren z.B. die wöchentlichen Bäder in einer mit Salzwasser gefüllten Wanne, hier mussten wir stillsitzend ausharren, das Wasser stand mir im wahrsten Sinne des Wortes bis zum Hals. In der Nacht plagte mich manchmal heftigstes Heimweh. Trotz gewisser Strenge gab es aber auch behütete und liebevolle Schwestern, die einen trösteten und Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen haben, so dass man die Trennung von den Eltern ein wenig verschmerzen konnte.

 

1966, ein Jahr später, ging es nach Heimenkirch im Allgäu. Im damaligen „Herz-Jesu-Heim“ verbrachte ich im Rahmen der Erholungsfürsorge für erholungsbedürftige Kinder meinen dritten und letzten Ferienaufenthalt in einem Heim. Das Kinderheim, das Monsignore Georg Pabst (1877-1933) im Jahr 1917 gründete, lag eingebettet in einer weichen Hügellandschaft, mitten im Herzen des bayerischen Westallgäus. Die schöne Ortschaft Heimenkirch liegt an der alten Via Claudia Augusta (Römerstraße) und auf 668 Meter Höhe. Heute wie damals ein idealer Ferienort, der in unmittelbarer Nähe zum Bodensee liegt. Hier verbrachten ich und viele Bochumer Kinder eine schöne Zeit, an die ich mich gerne erinnere. Zwar gab es auch hier, wie wohl allgemein üblich in den 50er- und 60er Jahren, einen strengen Ton in Sachen Erziehung. Heute kann ich darüber etwas schmunzeln, denn das Singen des Bochumer Jungendlieds „Es kann ja nicht immer so bleiben“ hatte hier eine tiefere Bedeutung gefunden, denn bis heute kenne ich noch alle Strophen. Damals, wenn man nicht brav war und etwas kaputt gemacht hatte wie zum Beispiel eine Klappliege mit Federn, die zur Nachmittagsruhe diente, gab es Stockschläge auf die Fingerspitzen und man musste ein Lied singen. Nicht selten hörte man weinende Kinder schluchzen, die wie ich bestraft wurden. Doch gab es auch viele schöne Erinnerungen und Ausflüge wie nach Lindau und Bregenz am Bodensee. An eine Geschichte kann ich mich noch ganz genau erinnern. 1966 war ja auch das Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft in England mit dem bekannten und umstrittenen Wembley-Tor (30. Juli). Heimlich schlich ich aus dem Heim und ging in eine Holzhütte, die ganz in der Nähe stand, wo sich die Aufseher das Spiel anschauten. Zwischen unzähligen Stühlen im Hinterraum hatte ich mich verschanzt und sah mir unbemerkt das Spiel England – Deutschland an. Der ehemalige Herner und deutsche Torwart Hans Tilkowski stand im Tor, und dann plötzlich in der 101. Minute fiel das Tor zum 3:2 für England, ein Lattenschuss mit verheerendem Ausgang. Zum Schluss noch ein Tor und das 4:2 war der Endstand. England wurde Weltmeister. In dem ganzen Trubel bemerkte mich niemand und so konnte ich auf leisen Sohlen zurück zum Schlafsaal des Heims. Was für ein Abenteuer.

 

 

Dörfliche und Bergbau-Idylle in Bochum Hiltrop und Bergen

 

Die Dörfer Hiltrop und Bergen waren durch ihre große Landwirtschaft mit vielen Bauern und die große Bergbauvergangenheit geprägt. Auch gehörte es im 18. Jahrhundert zum Amt Herne und Baukau. Für Kinder gab es zu meiner Zeit viel zu entdecken. Es war eine Zeit, die man als Kind, ganz gleich ob Mädchen oder Junge, draußen im Freien verbrachte, egal ob es regnete oder schneite. Damals gab es noch viele Kinder, manche Mütter brachten sage und schreibe über 10 Kinder zur Welt. So waren Großfamilien auch in Hiltrop und Bergen keine Seltenheit. Spielzeug gab es noch nicht so viel, so war das Erfinderische gefragt. Egal welche Jahreszeit wir gerade hatten, wir Kinder vom Dorf fanden immer die Möglichkeit einer ideenreichen Kinderbeschäftigung. In den Schulferien gingen einige von uns Kindern auf die umliegenden Feldern und arbeiteten für die hiesigen Bauern. Wir halfen bei der Kartoffelernte oder rupften Zuckerrüben (Runkeln) aus, eine Tätigkeit, die uns Kindern großen Spaß bereitete. Großzügig dankten es uns die Bauern mit leckeren Speisen wie z.B. am Nachmittag mit Streuselkuchen und abends mit leckeren Wurstbroten oder einer kräftigen Suppe, die uns die Bäuerin des Hofes zubereitet hatte. Auch ein kleines Taschengeld war immer drin. Auf den Gehöften kannten wir jede Kuh und jedes Schwein, eine tolle Zeit.

 

Als wir so um die 10 - 12 Jahre alt waren und zugleich auch etwas kräftiger waren, ging es zu den Bahngleisen der Zechenbahnen, die zwischen zwei großen Feldern lagen. Hier verkehrten die Kohlenzüge der Zeche Lothringen Schach IV, die zur Zeche Lothringen Schach I/II führten. Für uns Kinder ein großer Abenteuerspielplatz wie im „Wilden Westen“, was das Ruhrgebiet auch damals für uns war. Schnaufend und mit viel Getöse zogen die schweren Dampfloks mit leeren oder gefüllten Kohle-Waggons in beide Richtungen. Im dichten Buschwerk der Gleise versteckten wir uns und lauerten auf die richtige Gelegenheit. Im Schritttempo zog der Zug quietschend und dampfend an uns vorbei, etwa in der Mitte der vielen Waggons sprangen wir auf einen der Güterwagen. Hier konnte uns niemand entdecken und so fuhren wir unbehelligt bis zur Zeche nach Bochum Gerthe. Ein Abenteuer sondergleichen. 1967 wurde der Betrieb der Zechen Lothringen und Constantin der Große eingestellt.

 

 

Der Kinderreichtum im Dorf Hiltrop und Bergen war geradezu phänomenal. Die Mädchen sammelten und tauschten Glanzbilder oder spielten Gummitwist und die Jungs sammelten und tauschten Fußballbilder oder spielten Fußball. Eine Mannschaft von 11 Spielern war schnell aufgestellt. Damals gab es noch echten Straßenfußball und man spielte auf selbst gebaute Tormarkierungen. Auch das Dorf selber bot uns Kindern genügend Flächen und Freiraum, um es zu erkunden. Verborgene, verwinkelte Ecken und alte Mauern boten uns immer ein Schlupfloch, um uns zu verstecken. Selbst die Gehöfte der Bauern mit ihren Ställen, wo sich Kühe, Pferde, Schweine und Hühner befanden, förderten unsere Neugier und wir lernten, wie die Tiere leben. Hier gab es früher kleine Schmiedebetriebe, wo der Schmied das Eisen noch lautstark per Hand geschlagen hatte. Der Geruch von geschmolzenem Eisen lag in der Luft. In unmittelbarer Nähe lagen Weiden, Wiesen und kleine Tümpel, in denen es nur so von Leben wimmelte. Kaulquappen, Frösche, Lurche und Salamander zu entdecken, war für uns Kinder eine der leichtesten Übungen. Ganz anders im Hiltroper Volkspark, wo sich in den dichten Wäldern alte Baumbestände befanden, die zum Klettern herausforderten. Über das Geäst der Bäume ging es bei den sogenannten Mutproben weit hinauf. Ganz ungefährlich war es nicht, so manche Jungs brachen sich auch mal ein Bein oder verstauchten sich ihre Knöchel. Schürfwunden an Armen und Beinen waren die harmloseste Form von Verletzungen. Da wo der Ostbach entspringt gab es auch zwei Teiche, auch hier konnten wir uns austoben. In den Sommermonaten angelten wir uns kleine Stichlitze oder gingen Schwimmen. Im Winter, wenn die Teiche zugefroren waren, fuhren wir mit unseren Gleitschuhen über die Eisflächen.

 

 

Das dörfliche Leben war für uns Kinder eine traumhafte Zeit. Es sind Momente einer Kindheit, die es heute in dieser Form leider nicht mehr gibt. Zu sehr sind die Eltern mit der eigenen Angst beschäftigt, ihren Kindern könnte etwas Schlimmes passieren. Dabei müsste man doch heute, in der Zeit von Handy und Co, doch eher Acht geben, dass die Kinder nicht beim Chatten oder Spielen einer einseitigen Kommunikation verfallen. Zwar bricht man sich kein Bein wie beim Klettern auf Bäumen, aber eine gewisse Schwerhörigkeit ist auch nicht unbedingt harmlos. Ich möchte meinen Eltern nachträglich danken, dass sie mir die Möglichkeit gaben, mich selbst zu entwickeln. In diesem Sinne wünsche ich natürlich den Kindern von heute auch eine selbstbestimmte Zukunft, wo auch die Natur und die heimatliche Umgebung nicht zu kurz kommen.

 

Buen Camino, den Kindern gehört die Zukunft!

 

Herne, Februar 2016

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Buen Camino!

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