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Via-Jakobsweg

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Westfälischer Jakobsweg: Friedensstadt Osnabrück

Westfälischer Jakobsweg

Friedensstadt Osnabrück

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Wie die Stadt Münster wird auch Osnabrück als Stadt des Friedens bezeichnet, beide wurden im März 2015 von der Europäischen Kommission mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet. Hier und in Münster wurde der Westfälische Friede, der am 25. Oktober 1648 unterzeichnet und 5 Jahre lang ausgehandelt wurde, abgeschlossen. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) war somit beendet. Eine ideale Voraussetzung für mich, um von Osnabrück aus, hier endet der Baltische Jakobsweg „Via Baltica“, meine Spurensuche auf dem Westfälischen Jakobsweg und durch das idyllische Münsterland fortzusetzen.

 

Die Anreise erfolgte von Herne mit der Bahn nach Gelsenkirchen und im Anschluss mit dem Hamburg-Köln-Express (HKX), eine Direktverbindung über Münster bis nach Osnabrück. So konnte ich mir viel Zeit nehmen, um den schönen Altstadtkern von Osnabrück mit seinen vielen bedeutenden und historischen Sehenswürdigkeiten wie z.B. den Dom Sankt Peter mit einer schönen Jakobusfigur und das historische Rathaus anzuschauen. Übernachtet hatte ich im Jugendgästehaus Osnabrück, Iburger Straße 183a, etwas außerhalb des Altstadtkerns. Vom Rathaus aus führt mich der Westfälische Jakobsweg, dessen Verlauf bis Münster auch die Route des Westfälischen Friedens-Weg (X 1648) folgt, über die Höhen des Teutoburger Waldes bis nach Leeden im Tecklenburger Land.

 

 

Friedensstadt Osnabrück

 

Die Geschichte der alten Hansestadt Osnabrück liegt weit, weit zurück. Einst hatten auch hier christliche Missionare wie z.B. der hl. Liudger, ein Schüler Gregors von Utrecht, der als Apostel der Friesen und Sachsen bezeichnet wurde, die heidnischen Sachsen zum Christum in Westfalen bekehrt. Im Jahre 780 wurde das Bistum Osnabrück gegründet und einige Jahre später ließ Karl der Große die erste Kirche errichten und der Osnabrücker Dom entstand. Dieses grandiose Bauwerk galt einst als eines der größten Kirchengebäude nördlich der Alpen, der friesische Missionar Wiho wurde der erste Bischof.

 

Die Stadt Osnabrück, westfälisch Ossenbrügge genannt, lag an der Hasefurt, ein strategischer Flussübergang und an einem wichtigen Kreuzpunkt alter Handelsstraßen. Im Jahre 1178 erwarb Osnabrück die Stadtrechte und erhielt somit auch die Gerichtsbarkeit und eine befestigte Stadtmauer. Das Osnabrücker Rad wurde Stadtwappen und Münzzeichen des Hochstifts Osnabrück und galt auch als Gütesiegel des Handels mit Leinwand. Der Handel mit Leinen und Tuch wurde in Osnabrück in den Jahren um 1404 mit dem Legge-Stempel, eine Art Qualitätsgarantie, ausgezeichnet.

 

Die Friedensstadt Osnabrück und das Umland, das Tecklenburger Land und das Münsterland haben eine umfangreiche und ähnliche Geschichte hinter sich, dies alles hier aufzuführen würde den Rahmen meiner Reisereportage sprengen. Doch einige historische Sehenswürdigkeiten, die unter anderem auch für Jakobspilger interessant sind, möchte ich hier schon aufführen.

 

Sehenswürdiges Osnabrück

 

Als ich vom Bahnhof in die Altstadt kam, sah ich schon von weitem die eindrucksvollen Silhouetten der Stadtkirchen von Osnabrück. Ich erreichte den Haarmannsbrunnen mit Bergmannsskulptur am Herrenteichswall, einst ein Teil des alten Befestigungsrings der Stadt. In unmittelbarer Nähe der Fluss Hase, hier befindet sich die Herz-Jesu-Kirche, die erste katholische Kirche nach der Reformation.

 

Nun ging es über eine kleine Promenade der ehemaligen Wallanlage entlang des Haseufers, mit Blick auf den Dom und die Altstadt. Nach ein paar Metern erreichte ich die Wehranlage und den Pernickelturm, hier standen einst ein Wärterhäuschen und eine Ölmühle. Über die Angers-Brücke, benannt nach der französischen Patenstadt an der Loire, ging es nun über die Hase Richtung Dom. Früher gab es hier eine Pferdeschwemme, wo die Pferde und das Vieh leicht in den Fluss gelangten. Über die Hasestraße erreichte ich schnell die Straße Große Domsfreiheit und den Domhof und stand vor dem imposanten Dom St. Peter mit seinen zwei Türmen und dem mächtigen romanischen Vierungsturm.

 

 

Der Dom und sein historisches Umfeld

 

Der Dom St. Peter und zugleich auch die Kathedrale des Bischofs von Osnabrück hat eine lange Geschichte hinter sich. Nachdem in der Entstehungsgeschichte im Jahr 780 hier eine Missionsstation und eine erste Kirche errichtet wurden, die durch die Normannen schon nach 100 Jahren wieder zerstört wurde, entwickelte sich ihr heutiges Erscheinungsbild im spätromanischen Stil in der Zeit des 12./13. Jahrhunderts. Viele Bischöfe, Diakone und Priester sind seitdem hier geweiht worden. Neben Petrus dem Hauptpatron sind auch die zwei Märtyrer, die heiligen Crispin und Crispinian, die Nebenpatrone des Domes. Der Reliquienschrein der zwei Heiligen befindet sich in der Domschatzkammer und kann mit anderen Kunstschätzen dort besichtigt werden.

 

Durch das spätgotische Hauptportal geht es ins Innere des Doms, der Blick durch das Mittelschiff richtet sich auf das Triumphkreuz (1230) und auf den Altarraum. Der Besucher findet in der Kirche barocke Elemente vor wie z.B. die wunderschöne Kanzel aus der Barockzeit (1752). Auch ein Taufbecken aus dem frühen 13. Jahrhundert, das sich im Nordturm befindet, zählt zu den Schmuckstücken des Doms. An den Pfeilern im Mittelschiff befinden sich 12 Apostelfiguren, darunter auch der hl. Jakobus. Geschaffen wurden die zwölf Statuen um das Jahr 1525 vom Münsteraner Bildhauer Heinrich Brabender. Jakobspilger, die einen Pilgerstempel erhalten wollen, bekommen diesen in der Domsakristei oder im Forum am Dom.

 

 

Nachdem ich das Innere des Doms besichtigt hatte, machte ich noch einen kleinen Rundgang um den Dom herum. Die „Kleine Kirche“ unmittelbar links vom Dom, eine Gymnasialkirche, die jeden Samstag von gläubigen Christen besucht wird und um die 300 Jahre alt ist. Durch den engen Hexengang neben der kleinen Kirche und an den alten Gemäuern des Doms entlang erreichte ich die Hinterseite. Hier befindet sich das Gymnasium Carolinum, einst eine Domschule und gilt als eines der ältesten Schulen in Deutschland. Karl der Große gründete diese im Jahr 804. Viele bekannte Persönlichkeiten, darunter Ludwig Windthorst (Politiker und Parlamentarier), der sich für den katholischen Glauben eingesetzt hatte, war einer der bekanntesten Schüler des Carolinums, er legte hier 1830 erfolgreich mit dem Prädikat erster Klasse seine Abiturprüfung ab. Der Gebäudekomplex der Schule reicht ebenso wie das des katholischen Gymnasiums Ursulaschule, das sich ganz in der Nähe befindet, bis an die Ufern der Hase.

 

 

Der kleine idyllische Schulhofplatz des Carolinums mit schattenspendenden Bäumen und mit der Statue Karls des Großen auf einem Sockel, bietet nicht nur den Schülern eine Gelegenheit der Stille und Ruhe, auch Besucher dürfen sich dort mit Blick auf den Dom ausruhen. Der Rundgang führte mich weiter um den Dom herum und ich erreichte die Ostseite des Doms an der Kleinen Domsfreiheit. Hier befindet sich neben einem Denkmal für Ludwig Windthorst auch das Osnabrücker Rad, das sich einst auf dem großen Domturm befand, dieses ist am 13. September 1944 durch die Folgen des Krieges vom Turm herabgestürzt. Ein paar Schritte weiter erreichte ich das Theater am Domhof und stand auf dem Platz der deutschen Einheit. Nach dem interessanten Rundgang und der Besichtigung des Doms gönnte ich mir erst einmal in einem der vielen gemütlichen Cafés am Platz eine kleine Kaffeepause und genoss dabei das besondere Flair der Osnabrücker-Altstadt. Danach ging es weiter Richtung Osnabrücker Markt, hier befinden sich die evangelisch-lutherische Marktkirche Sankt Marien und das historische Rathaus.

 

 

Im Herzen der Altstadt

 

Am Platz des Westfälischen Friedens angekommen befindet sich dort der plastische Bürgerbrunnen mit dem Kaiser Friedrich Barbarossa. Der Brunnen spiegelt mit seinen 1200 Einzelteilen die 1200-jährige Stadtchronik und die geschichtlichen Ereignisse der Stadt Osnabrück wider. Eine symbolische Geschichtsquelle, geschaffen hat dieses Kunstwerk der Osnabrücker Bildhauer und Grafiker Hans Gerd Ruwe, der viele Plastiken und Brunnenanlagen für die Stadt schuf.

 

Von hier geht es durch eine kleine Passage zum belebten Marktplatz, das Herz der Altstadt. Hier befinden sich das historische Rathaus, Stadtwaage und die Marienkirche. Ein beliebter Platz für Besucher, Jakobspilger und Bürger der Stadt. Die farbenprächtigen Fachwerkfassaden der Bürger- und Giebelhäuser, z.B. am Markt, in der Turmstraße, Bierstraße oder Krahnstraße in der Mitte der Altstadt, mit vielen Geschäften, Restaurants und einladenden Cafés runden die besondere Atmosphäre in der Altstadt ab.

 

 

Hier besuchte ich die ev.-luth. Marktkirche St. Marien. Die gotische Hallenkirche am Markt, die an gleicher Stelle wie eine Vorgängerkirche steht, entstand in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Zusammen mit dem Rathaus und der Stadtwaage ein Gebäudeensemble und Kulturdenkmal. Sie gehört zu den vier mittelalterlichen Stadtkirchen Osnabrücks und ist seit der Reformation 1543 evangelisch. Mit dem Dom St. Peter, der St. Katharinenkirche und St. Johanneskirche, zählt sie zu den bedeutendsten und kunsthistorischen Baudenkmälern Norddeutschlands. Besonders beeindruckend ist der schon von weitem sichtbare 79 Meter hohe Turm der Kirche, den man auch sonntags zwischen 11.30 und 13 Uhr über seine 190 Stufen besteigen kann. Oben angekommen werden die Besucher mit einer grandiosen Aussicht über die Stadt Osnabrück und ihr Umland belohnt. Im Inneren der schönen Kirche befinden sich mit dem Triumphkreuz (13. Jh.), Taufbecken, einer Kreuzigungsgruppe und dem Flügelaltar wahre Kunstschätze in der Kirche.

 

 

Danach besuchte ich das historische Rathaus. Es wurde nach einer über 25-jährigen Bauzeit im Jahr 1512 fertig gestellt. Das Gebäude im spätgotischem Stil mit seinem historischen Friedenssaal ist für viele Besucher und die Bürger der Stadt ein ganz besonderer Ort. Hier mitten im Herzen der Altstadt wurde wie zur gleichen Zeit in Münster deutsche Geschichte geschrieben. Auf den Stufen des Rathauses wurde der Westfälische Frieden verkündet, nachdem man 5 Jahre lang verhandelt hatte, somit wurde auch hier das Ende des 30-jährigen Krieges (1618-1648) beschlossen.

 

 

Auch ein kleiner Abstecher zur spätgotischen St. Katharinenkirche gehörte noch zu meinen Besuch. Auch sie hat einen mächtigen Turm und ist 103 Meter hoch. Die Hallenkirche, erstmals im 13. Jahrhundert erwähnt, galt im Mittelalter als das höchste Bauwerk Westniedersachsens. Erwähnenswert ist auch die Nähe zum Schloss, das einst die Residenz des Adels und der evangelischen Fürstbischöfe von Osnabrück war. Ernst August I. von Braunschweig-Lüneburg, der 1662 Bischof von Osnabrück wurde, baute zusammen mit seiner Frau Sophie von der Pfalz, die ihre Leidenschaft einbrachte, das barocke Schloss, das 1673 bezugsfertig wurde. Heute dient das Schloss als Verwaltung der Universität von Osnabrück.

 

 

Nach der umfangreichen Besichtigung der Altstadt ging es vom Schloss aus zur Jugendherberge, hier konnte ich meine vielen Eindrücke des historischen Stadtkerns verarbeiten und noch ein wenig ausruhen, bevor es am nächsten Tag in der Früh auf dem Westfälischen Jakobsweg weiter geht. Wichtige Informationen rund um Osnabrück gibt es in der Tourist Information in der Bierstraße 22-23 (Altstadt).

 

 

Westfälischer Jakobsweg: Von Osnabrück bis nach Leeden

 

Buen Camino!

 

Herne, Mai 2016

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