Mitten im Leben

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Mitten im Leben

Gedanken eines Pilgers

Mitten im Leben

 

Von Bernardus von Baukau (Text/Fotos)

 

Irgendwann steht jeder von uns Menschen „Mitten im Leben“, doch für manche von ihnen, macht das Leben eine Pause oder bleibt völlig stehen und kommt am Ende zum Erliegen. Ein tragischer und trauriger Schicksalsschlag, der mit einer schweren Krankheit wie Krebs einhergehen kann. Keiner möchte das wirklich miterleben und wünscht sich das auch nicht für seine Mitmenschen.

 

Für die Betroffenen und deren Angehörige beginnt eine schwierige Zeit, die sie völlig aus der Bahn wirft. Wie das Schwert des Damokles hängt von nun an das Leben an einem seidenen Faden. Es beginnt für alle eine schwierige Phase, die man am liebsten verdrängen möchte. Man erkennt, wie wertvoll das Leben eigentlich ist, und möchte daran festhalten. Doch wie geht man mit der unausweichlichen Situation um, kann man der drohenden Gefahr, dem Ende, noch ausweichen? Hat man die Kraft dazu oder stellt man sich seinem Schicksal? Es ist ein Unterfangen, das viel Kraft kostet.

 

Gehört der Tod nicht auch zum Leben? Um diese Frage zu beantworten, muss man sicherlich den Tod und das Sterben trennen. Zwei Prozesse, die miteinander einhergehen. Die meisten Menschen haben den Tod immer als eine Art Feind gesehen, der plötzlich auftrat wie im Krieg oder Terrorismus, einem schweren Unfall oder sich schleichend durch eine schwere Krankheit an uns Menschen heranwagt. Es beginnt für die Betroffenen und deren Angehörigen ein Leidensweg, der dem Leben tiefe Wunden und Narben zufügt, für sie verändert sich alles.

 

Auch unterscheidet man, ob man sein Leben gelebt hatte und altersbedingt aus dem Leben scheidet. Doch so manche von uns werden aus der Mitte ihres Lebens, wie es leider auch meine liebe Ehefrau erfahren musste, herausgerissen. Man ist nicht bereit und will es nicht wahrhaben, dass der Tod so nahe ist. Meine Frau war dennoch sehr stark, sie hatte trotz Chemotherapie, vielen Bestrahlungen und langen Krankenhausaufenthalten immer noch Hoffnung auf das Leben gehabt.

 

Keiner von uns wollte ihr die Hoffnung nehmen. Doch nach einiger Zeit des hoffnungsvollen Wartens trat sie ihre letzte Reise in einem Hospiz an. Dort wurde sie gut und vor allem menschenwürdig versorgt, alle kümmerten sich dort rührend um sie. Es begann ein Prozess des Wartens und der Hoffnung, dass sie am Ende ihres Lebens nicht leiden muss. Das Sterben ist ein Prozess, der unterschiedlich lange andauern kann. Wie steht man den Menschen in einer so emotionalen und belastenden Situation bei Seite, wenn man sich selbst total hilflos fühlt? Woran erkennt man, dass ein Leben bald zu Ende geht? Und was bedeutet der Tod für den Sterbenden und seine Angehörigen?

 

Lange Zeit hatten der Tod und das Sterben in unserem Alltag keinen Platz gefunden, es wurde von uns einfach ausgeblendet und verdrängt. Als Jakobspilger hatte ich schon einige Begegnungen, die auf das Ende, den Tod und das Sterben hingewiesen haben. Kleine Stein- und Holzkreuze mit Inschriften am Wegesrand erinnerten an verstorbene Pilger, die auf ihrer langen Reise nach Santiago de Compostela, dort wo das Kreuz stand, verstarben. Es sind nachdenkliche und besinnliche Orte, die uns erinnern, dass wir nicht unsterblich sind, alles ist vergänglich. Doch jetzt, wo ich meine liebe Ehefrau auf ihrer letzten Reise begleitete, spürte ich, wie nah der Tod war. Eine beängstigende und belastende Situation, auch für alle Angehörigen.

 

Es tauchten Fragen auf, warum musste sie gehen, warum gerade sie? Man wollte und konnte noch nicht loslassen. Man war noch nicht bereit, den Sterbenden loszulassen. Doch der Tod ist unaufhaltsam, jeden Tag kam er ein bisschen näher, er war allgegenwärtig. Wir können nur begleiten und Trost spenden. Gemeinsam erinnerten wir uns an die vielen schönen Jahre, die wir gemeinsam erlebt hatten. Genau waren es 33 Jahre und nach 30 Ehejahren wollten wir gemeinsam dieses Jahr unsere Perlenhochzeit feiern. Bis zu ihrem Tod wurde sie von der ganzen Familie begleitet. Wir hielten ihr die Hand und streichelten ihr die Stirn, sie war der Mittelpunkt in unserem Leben. Auf Rosen gebettet verstarb sie am 8. September 2015 in unseren Händen. Mitten im Leben ist sie von uns gegangen und wir vermissen sie sehr. Wir alle trauern mit wehem Herzen, denn wir haben mit ihr einen Menschen verloren, der uns viel bedeutet und unser Leben bereichert hat.

 

Herne, 15. November 2015

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Buen Camino!

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