Höhen und Tiefen

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Buen Camino!

Gedanken eines Pilgers

Höhen und Tiefen

 

Von Bernd Koldewey (Text/Fotos)

 

Wie im Leben ist auch der Jakobsweg ein Weg mit Höhen und Tiefen. Man kommt gewissermaßen an seine körperlichen und geistigen Grenzen und erfährt, wie schwierig es sein kann, mit diesen neuen Erfahrungen umzugehen. Ein intensives Wirken und Unterfangen von Körper, Seele und Geist, das einen zum Nachdenken anregt und auch bewirkt, mit dieser besonderen Situation umzugehen.

 

Oft hatte ich auf meinem persönlichen Jakobsweg besondere Situationen gehabt, die mich in die Tiefen meiner Seele blicken ließen. Ein schleichendes Gefühl von Angst, Unbehagen und Neugier kam über mich, ein Gefühl wie in einem Karussell, das man nicht anzuhalten vermag. Irgendwie ist man der inneren Wahrnehmung ausgeliefert und sucht nach einer geeigneten Lösung. Doch so einfach war das nicht. Anders als wie bei den körperlichen Anstrengungen die es auf dem Camino mitunter gab und die ja auch sichtbar waren, konnte man die Empfindungen der Seele und die des Geistes nicht direkt sichtbar wahrnehmen. Dennoch waren sie fühlbar und spürbar und aus dem Bauchgefühl heraus reflektierten sie verborgene Seelenschmerzen. Unter Umständen durchreist man dabei auch seine eigene Vergangenheit und reagiert auf seine innerste Gefühlswelt.

 

So intensiv kann es auf dem Jakobsweg zugehen, so dass man sich auch mit den Dingen des täglichen Lebens auseinander setzt. Wir Menschen sind seit unserer Geburt auf einer Durchreise und erleben das Leben in seiner bunten Vielfalt. Leid und Freude teilen sich die Erfahrungen und Erlebnisse, eine Seelenwanderung, die nicht nur zugewandte spirituelle Menschen verspüren können. Es ist für viele eine besondere Chance, sich der Quelle des Lebens zu nähern. Auf der Durchreise seiner Gefühlswelt erlebt der Pilger einige Hürden und Tiefen, die in der äußeren Faszination des Jakobswegs eingehüllt sind.

 

 

„Sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund“

 

Dieser schöne Bibelspruch zeigt, wie man religiös und spirituell seiner Seele zugewandt sein kann. Eine tief verborgene Wahrheit, die vielleicht nur einen Steinwurf entfernt liegt. Die Suche zu sich selbst kann nur jeder für sich herausfinden. Unser Unterbewusstsein liegt wie ein Bestimmungscode des Lebens tief in unserer Seele verborgen und muss aktiviert werden. Man muss seinen eigenen Zugang finden, da wo sich Seele und Körper als Einheit berühren. Es ist die Essenz des Lebens, die uns suchen lässt. Das Pilgern auf dem Jakobsweg ist eine Möglichkeit sich selbst zu finden. Zum großen Teil ist man den Elementen ausgesetzt, Natur, Flora und Fauna bereichern die Seele. Öffnet man sich diesen Herausforderungen und lässt zu, dass man ein Teil des Ganzen ist, so spürt man, wie faszinierend der Jakobsweg sein kann. Er nimmt nicht, sondern er gibt etwas zurück, was in uns steckt und verborgen liegt, man spürt es mit Leib und Seele. Pilger, die des Öfteren auf Jakobusspuren sind, können dieses Phänomen bestätigen.

 

Die Höhen

 

Höhepunkte einer solchen Pilgerreise sind natürlich die Naturbegebenheiten. Einsame Wege und Pfade führen einen durch atemberaubende Landschaften. Man verspürt einen Sinneswandel zur Urquelle des Lebens. Einsamkeit und Stille stellen die Gefühlswelt auf den Kopf. Man horcht nicht nur der Natur zu, sondern auch tief in seine Seele hinein. Ein wunderbares Gefühl von Freiheit und Geborgenheit kommt auf, man ist sich selbst ganz nah und spürt eine innerliche Verbundenheit. Eine Einheit im Wandel zur Glückseligkeit. Umgeben in Gottes freier Natur ohne Widerstände und Vorschreibungen, was man tun oder nicht tun sollte. Sie selbst bestimmen und entscheiden, welchen Weg sie gehen.

 

 

Es sind Erfahrungen, die bereichern, sie sind nicht materiell, sondern spirituell. Der Schöpfung nahe zu sein sind Urempfindungen der Menschheit, der Mensch hat es nur verlernt damit umzugehen. Es scheint so, dass es in unserer heutigen schnelllebigen Zeit keinen Platz mehr für diese verborgenen Werte gibt. Man lebt nach falschen Vorbildern und wird materiell gesteuert und man eifert so vor sich hin. Das natürliche Gleichgewicht zwischen Geist und Seele ist gestört und getrübt. Da fällt mir ein schöner Spruch ein, der da lautet: „Reich wird man erst durch Dinge, die man nicht begehrt, aber mit viel Liebe verehrt.“ Ich glaube, es war Mahatma Gandhi, der diesen weisen Spruch gesagt hat. So gesehen ist das „Begehren“ wohl der falsche Weg, man hinkt etwas hinterher, was einen nicht glücklich machen kann. Doch das Verehren und respektvolle Lieben scheint, der weisere Weg zu sein.

 

Die Tiefen

 

Aber auch die Tiefen des Lebens vermittelt der Jakobsweg. Es ist nicht nur immer Sonnenschein und Heiterkeit auf dem Jakobsweg. Nicht nur, dass es auch mal schlechtes Wetter geben kann, nein auch Traurigkeit und Melancholie werden einen berühren. Besucht man auf seiner Reise die herrlichen Gotteshäuser und Kapellen am Weg, beflügelt einen die innerliche Einkehr. In der Stille und im Schein der Kirche und der Andacht denkt man an die, die man zurückgelassen hat. Ein jeder, der Trost und das Gebet sucht, weiß, was ich meine. Wir alle haben in unserem Gepäck nicht nur das Gewicht der Utensilien unserer Pilgerschaft zu tragen, sondern auch die Last unseres eigenen Lebens. Eine schwere Last, die uns auch vor Hochmut und Eifer schützt.

 

Es ist ein langer Weg bis nach Santiago de Compostela. Wer ihn bewusst geht, wird feststellen, dass er zwar nach einiger Zeit angekommen ist, aber nicht das Ende erreicht hat.

 

Buen Camino!

 

Herne, April 2015

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